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Musikgeschichten: 27. September (1956)

Ein Ende mit Ansage: Der Tod des Gerald Finzi

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Malte Hemmerich
Malte Hemmerich
27.09.2019

Bereits im Jahre 1951 konnte der englische Komponist Gerald Finzi beginnen, sich auf seinen Abschied von der Welt vorzubereiten. Von seinen Ärzten erhielt der 50-Jährige die Diagnose Hodgkin-Lymphom, Lymphdrüsenkrebs, damals noch schlecht zu therapieren. 10 Jahre stellten sie ihm noch in Aussicht. Doch es sollte anders kommen.

Gerald Finzi war Zeit seines Lebens vom Tod umgeben. Viele nahestehende Menschen, sein Vater und seine Brüder, verlor der Junge bis zu seinem zehnten Lebensjahr, sein Lehrer und Mentor starb später im Ersten Weltkrieg. Holst und Vaughan Williams wurden bald darauf Freunde des jungen, talentierten Komponisten, er zog nach London.

Finzi war ein eher schüchterner Mensch und Eigenbrötler. Die englische Hauptstadt lag ihm nicht. So gab er einen Lehrposten hier schnell wieder auf und zog mit seiner Frau raus aufs Land. Neben dem Komponieren, sein Schaffen blieb insgesamt überschaubar, vergnügte er sich hier mit seinen Apfelbäumen.

Gerald Finzi

Gerald Finzi mit Pfeife.

(Foto: Public Domain)

Finzi, dessen Vater Italiener und Mutter Deutsche war, liebte als Komponist vor allem die kleinen Stücke. In seiner riesigen Bibliothek fand er Stoff für seine Lieder, er liebte Gedichte. Erst nach seiner Diagnose machte sich Finzi daran, Konzerte zu schreiben. Ein Klavier- und ein Violinkonzert blieben Fragment. Vollenden konnte er aber das Cellokonzert in a-Moll, hier durchzieht Schwermut den unsteten ersten Satz.

Der erste Satz aus Finzis letztem Konzert.

Sein Schaffensrausch fand ein jähes Ende. Und es war nicht der Krebs der Finzi schließlich besiegte. Ausgerechnet der Naturliebhaber hatte sich bei einer Wanderung mit Windpocken infiziert, daraus entstand eine schwere Hirnhautentzündung. Am 25. September 1956 stellt seine Frau im Krankenhaus das Radio an, Finzi hört live die Uraufführung seines Cellokonzerts, zwei Tage später ist er tot.

So hatte der Komponist doch weniger Lebensjahre als prophezeit, die er künstlerisch und unerschütterlich zu nutzen wusste. ¶

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