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POST VON BEETHOVEN #1: 4. Januar (1804)

An Rochlitz: »... wie bin ich betrogen worden«

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Der Schöpfer des größten Jatatataa der klassischen Musik, der Mann, der alle Menschen mit seiner Musik erreichen wollte und der götterfunkenhaften Freude ihre Melodie erfand: Ludwig van Beethoven war ein überraschender Briefeschreiber: oft witzig, fast immer sehr direkt, ein harter Geschäftspartner, ungestümer Liebender und schnell Beleidigter. Holger Noltze öffnet über das Beethoven-Jahr verteilt ausgewählte Dokumente und stellt sich ihren Absender vor: Beethoven im Original-Ton.

Ludwig van Beethoven
Ludwig van Beethoven
04.01.2020

Beethoven-Post nach Leipzig, an einen Kritiker, den Redakteur der Leipziger Allgemeinen Musik Zeitung, Friedrich Rochlitz. Dieser hatte ihm ein Opernlibretto angeboten, das nun zurückgeschickt wird: Eine Zauberoper, das wolle gerade niemand mehr sehen, das Genre ist durch; wenn es ein anderer Stoff gewesen wäre: „mit beiden Händen hätte ich darnach gegriffen.“

Leonore-Ouvertüre Nr. 1: Philharmonia Orchestra, Otto Klemperer

Tatsächlich ist Beethoven auf der Suche nach einem passenden Opernsujet. Weshalb er sehr auf den Herrn Schikaneder zu schimpfen kommt, der ihn ein ganzes Jahr mit einem römisch-antiken Thema Vestas Feuer aufgehalten habe. Dem Schikaneder könne man einen Sinn für „Theater Effekt nicht ganz absprechen“ – wir reden immerhin von Mozarts Textlieferant für die Zauberflöte, und ersten Papageno – aber von der Römeroper habe er, Beethoven, nun gar keinen Plan bekommen können, nur dass darin gesprochen würde „wie unsere hiesigen Aepfel-Weiber“. Er hatte gehofft, dass dieser Schikaneder

»etwas gescheideres als gewöhnlich zur Welt bringen [würde], aber wie bin ich betrogen worden...«

Das Projekt sei nun aufgegeben und er mit dem Mann „ganz zertragen“.

BeethovenBrief1

Der Brief vom 4. Januar 1804 an Rochlitz.

(Foto: Beethoven-Haus Bonn)

Im Ärger auf Schikaneder zeigt sich Beethovens Bereitschaft, beleidigt zu sein: „wie bin ich betrogen worden“. Und auch der eigentliche Adressat des Briefes bekommt, neben allerhand Verbindlichkeitsfloskeln, sein Teil ab: Er, Beethoven müsse eigentlich „ein bisschen böse“ auf ihn sein, wegen „falscher Nachrichten“ über ihn, die Rochlitz als Redakteur der AMZ habe durchgehen lassen, gefundenes Fressen für die „große Anzahl Feinde, die ich hier habe.“ Er fühlte sich verfolgt und eben schnell „betrogen“.

Der Brief vom 4. Januar 1804 enthält nebenbei den Hinweis, nach der Pleite mit Vesta habe er sich „geschwind ein altes französisches Buch bearbeiten lassen, und fange jezt daran zu arbeiten...“
Auch dies würde ein Schmerzenskind werden, namens Fidelio. ¶

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