POST VON BEETHOVEN #4: 8. April 1802

An Franz Hoffmeister: »Reit euch denn der Teufel?«

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Post von Beethoven: Briefe vom Meister, in loser Folge, geöffnet von Holger Noltze.

Ludwig van Beethoven
Ludwig van Beethoven
04.04.2020

Das Dokument hat Schwung, ja es geht gleich los als schriftlicher Wutanfall:

»Reit euch denn der Teufel insgesammt meine Herrn? – mir vorzuschlagen eine Solche Sonate zu machen?«

Der Leipziger Verleger, Musikalienhändler, Kapellmeister und Komponist Franz Hoffmeister (Gründer des später als C. F. Peters berühmten Verlagshauses) hatte die Anfrage einer „Dame“ an „Bthwn.“ weitergeleitet, eine Sonate im Geiste der Revolution zu liefern – wonach dem großen Mann in diesem Frühjahr 1802 der Sinn nun gar nicht steht.

»Zur Zeit des Revolutionsfiebers nun da – wäre das so was gewesen, aber jetzt, da sich alles wieder ins alte Gleiss zu schieben sucht, buonaparte dem Pabste das concordat geschlossen – so eine Sonate?«

Franz anton hoffmeister

Franz Anton Hoffmeister, Porträt von Nikolaus Lauer.

(Foto: Public Domain)

Daraus spricht bereits, wie bald darauf in der legendären Rücknahme der Widmung der Eroica an Napoleon, die Frustration des homo politicus Beethoven über den Fortgang der revolutionären Freiheitssache und die Entwicklung des Revolutionshelden Napoleon zum Machtpolitiker in eigener Sache. Wozu die erwähnte Einigung mit dem Papst zählt, der damit seinen Kirchenstaat zurückerhält: Es schiebt sich ins alte Gleis, und eine künstlerische Feier der Revolution emfindet Beethoven gerade jetzt als Zumutung, wo man besser ein „Missa pro Sancta Maria“

»und mit großen Pfundnoten ein Credo in unum hinschreiben, aber du lieber Gott eine Solche Sonate – zu diesen neu angehenden christlichen Zeiten – hoho, – da lasst mich aus – da wird nichts draus...«

und so ätzt er noch weiter. Nicht ohne der Dame, die die falsche Frage gestellt hatte, sogleich eine andere Sonate anzubieten, „den Preiß um 5 Dukaten“. Als Geschäftsmann kommt er bald wieder von der Palme herunter, lobt den Stich der Klaviersonate B-Dur und mahnt zur Eile mit dem Septett op. 20, „weil der Pöbel drauf harrt.“

Der Ärger über die politische Weltlage ist bestimmt echt, hier aber auch – „hoho“ – lustvoll instrumentiert. Da spricht eben ein selbstbewusster Künstler, der weiß, wie man entschieden nein sagt. ¶

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