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THE SOCIETY OF MUSIC: 22. Januar 2020

Laut genug

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Jürgen Kesting
Jürgen Kesting
22.01.2020

„Never sing louder than lovely.“ Dieser Maxime ist die Sopranistin Edith Mathis stets gefolgt, so der Glückwunsch zu ihrem Geburtstag. Dennoch würde man bei der Frage „Am I to loud?“ kaum auf den Gedanken kommen, dass sie von einem Sänger gestellt worden sein könnte. Eher wohl führen diese die Klage darüber – und nicht selten grundlos –, dass sie die orchestrale Sound-Barriere nicht durchdringen können. Das betrifft gerade diejenigen, die sich in den zentralen dramatischen Partien aus der Oper des 19. und frühen 20. Jahrhunderts behaupten müssen. Selbst Dirigenten und die für das Casting Verantwortlichen sind sich offenbar einig, dass dies mehr schlecht als recht gelingt. Opern wie Il trovatore oder La forza del destino seien heute, räumten James Levine und Riccardo Muti ein, kaum noch zu besetzen.

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Franco Corelli

Umso neugieriger wurde ich, als ich in dem amerikanischen Magazin Opera Fanatic über eine Forza-Aufführung am Teatro San Carlo las. Am 15. März 1958 standen dort Renata Tebaldi, Orlaia Dominguez, Franco Corelli, Ettore Bastianini, Renato Capecchi und Boris Christoff auf der Bühne. Es waren Auszüge aus Hymnen, deren Fortissimo zum Namen des Magazins zu passen schienen. Nur: Einer der Zitierten war Will Crutchfield, der als Kritiker bei der New York Times begann, mit seinen akribischen Studien über den durch die Schallplatte dokumentierten Verdi-Gesang des 19. Jahrhunderts für Aufsehen sorgte und mit seinem Doppel-Portrait der „belcanto twins“ Fernando de Lucia und Mattia Battistini kritische Maßstäbe setzte – dass also diesem Connaisseur folgendes Jauchzen aus der Feder floß:

»Forza ist ,a big opera‘. Hier hören wir sie mit sechs reifen, saftigen, unangestrengten Stimmen; Stimmen, welche die Musik zu handhaben wissen und aufblühen lassen…«

"...Alle diese Stimmen sind groß, und das Singen ist ,easy‘. It’s the big Easy. Message: We sing. ... Die Serie der hohen H‘s, die Tebaldi im Duett mit Christoff singt, ist so aufregend wie a medal winning Olympic performance.... Corelli verschenkt Wunder vokaler Generosität in einer Phrase nach der anderen... Im großen Duett Solenne in quest’ora singt er zwei Mal ein open-throated Decrescendo auf dem hohen A, das mich zwei Mal den rewind button drücken ließ."

Grund genug, nach dieser Aufführung – auf CD wie DVD dokumentiert – zu suchen. Sie findet sich in einer 16 CDs umfassenden Box (Forlane) mit den Aufnahmen von Aida, Tosca, Norma, Turandot, Don Carlo, Il Trovatore, Andrea Chenier und Forza, und in all diesen Aufführungen (sechs live und zwei im Studio entstanden) muss sich Franco Corelli eine Frage nicht stellen: „Am I loud enough?“ ¶

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