THE SOCIETY OF MUSIC: 12. Januar 2022

Neu: Tosca-Talk

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Holger Noltze
Holger Noltze
12.01.2022

Über Musik zu reden sei wie über Architektur zu tanzen: Ob es der Altmeister Frank Zappa war, dem dieses so oder etwas anders formulierte Bonmot zugeschrieben wird, spielt keine Rolle. Denn erstens ist es lustig, und auf den zweiten Blick noch lustiger kann man finden, dass es einerseits wahr ist, andererseits der Verstoß gegen das so pfiffig verfügte Redeverbot über Musik ja eine lustvolle und im Grunde sehr produktive Angelegenheit ist. Über Musik heißt auch von sich selbst sprechen, mehr oder weniger. Es ist auch die Quelle von allerhand Unsinn, keine Frage, aber das betrifft längst nicht nur Musik, klar.

Bei takt1 haben wir Musik von Anfang an nicht nur, im Stream, „bereitgestellt“, sondern immer auch zum Thema gemacht, jedes Video wird redaktionell kommentiert, bemerkenswerte neue CDs qualifiziert, das symphonische Kernrepertoire mit Einführungen versehen; es werden Links zu nützlichen Informationen im www. gesammelt, unter der Rubrik takt1thema Playlists zusammengestellt, dazu erzählen wir Geschichten aus der Musikgeschichte oder aus dem aktuellen „Betrieb“ wie diese Kolumne. Heute also in eigener Sache, um ein neues „Format“ anzuzeigen: Gespräche über Repertoire-Klassiker, Dialoge über Lieblingsstücke, immer zwanzig und ein paar Minuten über ein Stück.

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Reden wir zum Beispiel über Mord: Tosca und Scarpia, hier im Theater Dortmund, 2021.

(Foto: Björn Hickmann)

takt1-Talk will keine Vorträge halten und nichts besser wissen, sondern zur Sprache bringen, was einen (sie, er, *) an, sagen wir Puccinis Tosca, rührt, begeistert, nervt. Eine dialogische Verstehensbemühung, die ihre Spannung, wenn es gelingt, auch daraus zieht, dass hier zwei Generationen mit je eigenem Blickwinkel sich über ein Werk beugen. Vielleicht, das wäre gewünscht, legt die Doppelperspektive ja etwas frei über die eigenartige Kraft von Kunst, über lange Zeit, oder ein oder gar mehrere Jahrhunderte hinweg zu unserer Gegenwart zu sprechen. Wie hört eine Frau heute Vissi d‘arte, Toscas Bekenntnis, nur dem Schönen gelebt zu haben, wie hört ein Mann Scarpias machtlüsterne Gewaltphantasien, während das Volk in der Kirche das Te Deum feiert? Wie schafft Puccini mit ein paar Noten, atemberaubende Spannung herzustellen? Was hat das alles mit Kino zu tun? Und so weiter und vieles andere mehr.

Beim ersten, unserem Tosca-Talk, schauen wir zwischendurch auf „neuralgische“ Stellen in der Tosca-Inszenierung von Philipp Himmelmann mit Kristine Opolais unter Simon Rattle (Baden-Baden, 2017), die in der takt1-Mediathek komplett enthalten ist. Wenn das Reden über Musik neugierig macht, wieder zur Musik bzw zum musikalischen Drama selbst zu kommen, wären wir froh.

Am Freitag 14. Januar (auf den Tag 122 Jahre nach der Uraufführung) der erste takt1-Talk über Tosca, übrigens in den malerischen Trümmern eines Tosca-Bühnenbilds der Oper Dortmund. Am Sonntag, dem 16. dann das ganze Werk als daily feature. Fortsetzungen folgen. ¶

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