THE SOCIETY OF MUSIC: 28. Dezember 2022

Musikalische Rückschau

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Charlotte Gardner
Charlotte Gardner
28.12.2022

Ein weiteres Jahr ist fast vorbei, und wenn wir jetzt an dem Punkt angelangt sind, an dem sich Weihnachtsmusik nicht mehr passend anfühlt, aber Feiertage bedeuten, dass es Zeit gibt, ein oder zwei neue Alben zu entdecken, nutze ich diese letzte Kolumne des Jahres 2022 dazu, Ihnen einige der Aufnahmen, die mein Herz in den letzten zwölf Monaten am meisten erobert haben, zu empfehlen.

Uraufführungen allein machen noch keine gute Aufnahme. Wenn sie jedoch von Johannes Pramsohler ausgegraben und programmiert werden und in den Händen seines Ensembles Diderot liegen, sind die Ergebnisse meist wunderbar – und Cellokonzerte aus Norddeutschland, die ein Licht auf eine sträflich vernachlässigte Ecke des Barockcello-Repertroires werfen, boten eine besonders vergnügliche Entdeckungsreise. Mit dem ensembleeigenen Gulrim Choï als Solistin präsentiert dies ein stilistisch abwechslungsreiches und hochkarätiges Quartett mit Werken von Ignác František Mara, Markus Heinrich Grauel, Johann Wilhelm Hertel und Carl Friedrich Abel; und alles daran muss genossen werden, von der Freude, Choï zu hören, wie sie sich zum ersten Mal als Konzertsolistin auf CD präsentiert, über die spürbare Verbundenheit zwischen ihr und ihren Kollegen bis hin zu ihrer warmen und unmittelbaren musikalischen Anziehungskraft. Am deutlichsten illustriert die Freuden dieser Aufnahme vielleicht jedoch der Fakt, dass sie seit ihrer Veröffentlichung im Frühjahr häufig Gast meiner Stereoanlage ist.

John Nelsons Name auf dem Berlioz-Ticket reicht zunehmend aus, um den Puls höher schlagen zu lassen, und seine Gegenüberstellung von Les Nuits d’été und Harold en Italie ist von der ersten bis zur letzten Note eine wahre Freude. Wiedervereint mit dem Orchestre philharmonique de Strasbourg, mit dem er sein mehrfach preisgekröntes Les Troyens aufgenommen hat, ist sein Solist für Les Nuits d'ete Michael Spyres (ebenfalls bei Les Troyens, als Énée), der seine ganze butterweiche stimmliche Agilität sowie poetische Intelligenz unter Beweis stellt. Für Harold en Italie bekommen wir dann den Bratschisten Timothy Ridout, und man muss nur die hinreißende Tiefe von Ridouts Sound und seine geschickte Färbung der Erzählung hören, um zu verstehen, wie sich dieser Musiker, der immer noch erst in seinen Zwanzigern ist, so schnell als einer der weltweit gefragtesten Bratschisten etabliert hat.

Zu guter Letzt war einer der größten musikalischen Leckerbissen dieses Jahr (und tatsächlich ein Versprechen, da dies noch andauert) der Start der Verbier Festival Gold-Reihe von Deutsche Grammophon, die jeden Monat ein Album mit wunderschön kuratierten Höhepunkten des fast 30 Jahre alten Archivs veröffentlicht. Unter den bisherigen Veröffentlichungen ist es schwer, einen Favoriten zu nennen, aber das Mendelssohn-Album von Yuja Wang, die seit ihrem 21. Lebensjahr zum Festival zurückkehrt, ist repräsentativ und brillant zugleich: zwei 2009er Aufführungen, beginnend mit einer funkelnden Interpretation des Ersten Klavierkonzerts mit dem Verbier Festival Orchestra unter Kurt Masur; dann ein lebendiges, fließendes Klaviersextett mit klarer Textur, in dem sie zu einer typischen, nur in Verbier vorkommenden Konstellation von Mitstars gehört: Kirill Troussov, David Aaron Carpenter, Maxim Rysanov, Sol Gabetta und Leigh Mesh.

Genießen Sie die obigen Empfehlungen und kommen Sie gut ins neue Jahr! ¶

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