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The Society of music: 8. Januar 2020

Wozzeck an der MET: riskant?

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Benedikt Stampa
Benedikt Stampa
08.01.2020

Ich sitze am Flughafen. Weihnachten ist mal wieder Geschichte, die Silvesterkonzerte und Neujahrskonzerte in Berlin und Wien ebenfalls. Das Neue Jahr 2020 kann beginnen, die Saison weitergehen. Ich fliege heute nach New York. Dort habe ich mich mit Yannick Nézet-Séguin verabredet. Der neue musikalische Chef der MET dirigiert diese Woche Alban Bergs Wozzeck. Es ist die Produktion aus Salzburg von William Kentridge, die in der riesigen Metropolitan Opera aufgeführt wird, eine europäisch-amerikanische Koproduktion.

Yannick hatte bereits einen fulminanten Start in New York. Nun wagt er sich mit dem Wozzeck vor in die klassische Moderne. Für die meisten Opernhäuser und Festivals ist der Wozzeck mittlerweile Standardrepertoire, in New York geht Peter Gelb damit ein Risiko ein, zumal die Inszenierung von Kentridge anspruchsvoll ist und so gar nicht in die „Broadway-Ästhetik“ des Hauses passt. Doch man sollte die Innovationskraft von Yannick Nézet-Séguin und Peter Gelb nicht unterschätzen. Schon mit Robert Carsens Rosenkavalier lief im Dezember eine state-of-the-art Produktion. Die MET ist nach wie vor kein Trendsetter des modernen Regietheaters, aber ich bin überzeugt davon, dass das „Gespann“ Gelb/Nézet-Séguin noch einige Pfeile im Köcher hat. Bei unserem letzten Treffen im Sommer in Luzern verriet mir Yannick einiges über seine künstlerischen Pläne für die MET und die hören sich entsprechend vielversprechend an.

Nezet Seguin hans van der woerd

Yannick Nézet-Séguin ist der neue Chefdirigent an der MET.

(Foto: Hans van der Woerd)

Yannick Nézet-Séguin wird sich aufgrund seiner Verpflichtungen in New York und Philadelphia (mit Abstechern nach Montréal zu seinem alten Orchester) nun seltener in Europa blicken lassen. Natürlich sind viele Insider überzeugt, dass er ein heißer Kandidat für die Nachfolge von Mariss Jansons beim BR Sinfonieorchester ist; Interesse auf beiden Seiten ist vorhanden. Ob Yannick sich wie Andris Nelsons mit dem Leipziger Gewandhausorchester und dem Boston Symphony Orchestra einen ähnlichen transatlantischen Spagat zumutet, darf man vielleicht bezweifeln.

Dennoch wird Yannick auf die Präsenz auf dem alten Kontinent nicht verzichten wollen. Gastauftritte in Berlin bei den Philharmonikern sind genauso fest gebucht wie Engagements in Rotterdam und mit dem Chamber Orchestra of Europe. Ich freue mich erst einmal auf seine Auftritte in Baden-Baden mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra und zu den Osterfestspielen mit den Berliner Philharmonikern. Und was wir in New York verabreden, berichte ich beim nächsten Mal. 

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