THE SOCIETY OF MUSIC: 13. Januar 2021

Silvester aus der Konserve!

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Benedikt Stampa
Benedikt Stampa
13.01.2021

Das Silvesterkonzert der ARD hätte in diesem Jahr eigentlich aus dem Festspielhaus Baden-Baden kommen sollen. Stattdessen gab es – coronabedingt - für die Zuschauer Musik aus der Konserve, angereichert mit einem denkwürdigen Interview zwischen Thomas Gottschalk und dem Dirigenten des Konzertes Teodor Currentzis, das auf der Bühne des Festspielhauses stattfand und für die Sendung aufgezeichnet wurde. Ein ungleicheres Paar kann man sich kaum vorstellen: Hier der in wallendes Schwarz gewandte, fast priesterlich verinnerlicht erscheinende Dirigent, dort der redegewandte, in einem barock anmutenden Samt-Smoking ausstaffierte neue Baden-Badener Star-Moderator. 

Teodor Currentzis, gerade angereist aus Russland, wirkte sehr gelöst; er ‚salbte‘ uns, die bei der Aufzeichnung dabei waren, mit warmen Worten. Thomas Gottschalk lauschte mit Dauerlächeln dessen Ausführungen und gab – unerwartet – großen verbalen Spielraum, eine denkwürdige Szene in Corona-Zeiten. Später saßen wir noch lange zusammen, nicht auf der verwaisten Bühne, sondern in den stillen Zimmern backstage und träumten uns in die Zukunft.

13.01.

Moderator und Maestro im Austausch.

(Foto: © SWR)

Das Konzert am Silvesterabend in der ARD, vom heimischen Sofa aus verfolgt, war dann reine Formsache. Auf dem Bildschirm spulte das SWR-Symphonieorchester ein ‚Konserven‘-Konzert aus mehreren vorab produzierten Teilen ab, nicht mehr. Stimmung und Feierlaune: Fehlanzeige. In meinem Kopf erlebte ich dagegen auf dem Sofa sitzend ein concert imaginaire; ich stellte mir die 2500 Besucher im Großen Haus des Festspielhauses vor, wie sie dieses besondere Silvesterkonzert mit Teodor Currentzis und Patricia Kopatchinskaja live erlebt hätten, Tschaikowsky und Strawinski vom allerbesten. Das Orchester groß aufspielend, das Publikum tobend, klatschend und ausgelassen.

Während das SWR-Symphonieorchester sein Silvesterkonzert also nicht live spielte, entschieden sich sowohl die Berliner als auch die Wiener Philharmoniker, ihre Konzerte live und vor leeren Rängen zu präsentieren. Die übertragenden Sender arte und ZDF hielten tapfer durch; Kirill Petrenko und Ricardo Muti wirkten telegen und waren konzentriert bei der Sache. Aber auch hier kam keine Stimmung auf dem Sofa auf. Immerhin aber waren es mediale und hoffnungsvolle Lebenszeichen, die aus Berlin und Wien gesendet wurden – und das live und in Farbe.

Auf ein gutes neues Jahr 2021. ¶

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