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Musikgeschichten: 7. September (1889)

Die erste Komponistin: Kassia von Konstantinopel

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Jonas Zerweck
Jonas Zerweck
07.09.2019

Das ist natürlich etwas vereinfacht. Ob Kassia von Konstantinopel wirklich die allererste Komponistin des Okzidents war, kann man nicht sagen. Sie ist zumindest die früheste Komponistin, von der Werke überliefert sind. Und diese sind teilweise wirklich bedeutend. Bis heute wird in der orthodoxen Kirche die von ihr komponierte und nach ihr benannte Hymne der Kassia am Vorabend des Mittwochs der Karwoche gesungen.

Moderne Aufnahme der byzantinischen Hymne von Kassia von Konstantinopel

Heute existieren noch etwa fünfzig ihrer Hymnen, die sie in ihrem circa fünfundfünfzig Jahre lange Leben komponiert hat. Geboren wird sie um 810 n. C. in wohlhabende Verhältnisse im Umfeld des kaiserlichen Hofs, denn der Vater ist ein ranghoher Militär. Ungewöhnlich für die damalige Zeit ist es, dass Kassia, auch Kassiani genannt, eine gute Ausbildung erfährt.

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Kassia von Konstantinopel

(Foto: Public Domain)

Sie darf dann bei der Brautschau des wenige Jahre später zum Kaiser ernannten Theophilos teilnehmen. Bei diesem damaligen Verfahren zur Auswahl der Ehefrau, reihten sich die nominierten Damen auf und der Mann schritt die Reihe entlang und durfte wählen. In der Hand hielt er einen goldenen Apfel, den er der Auserwählten überreichte. Vor Kassia blieb er stehen und sagt ihr, vielleicht wegen der Aufregung, vielleicht als Provokation oder als eine Art Test, dass Frauen viel Übel auf die Welt brächten, wie Eva beweise. Auch für damalige Verhältnisse scheint das kein angebrachter Spruch zu sein. Kassia jedenfalls lässt den Spruch nicht unbeantwortet und beweist neben Intelligenz auch Selbstbewusstsein und Schlagfertigkeit als sie ihm entgegnet, durch Frauen auch viel Gutes auf die Welt brächten, wie Maria beweise. Die Antwort saß, auch weil Maria, damals als Theotokos, die Gottesgebärerin, verehrt, die Stadtpatronin von Konstantinopel ist. Der gekränkte Kaiser wählte die schüchterne Theodora als Kaiserin. Die gab keine Widerworte.

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Darstellung der Szene bei der Brautschau aus dem Jahr 1889.

(Foto: Public Domain)

Kassia gründet daraufhin eine Klostergemeinschaft und wird später deren Äbtissin. Sie kreiert dort ihre Kompositionen und geistliche Texte, schreibt aber auch Gedichte und andere weltliche Schriften.

Ein großer gesellschaftlicher Streitpunkt ist zur damaligen Zeit die Ikonenverehrung. Der Kaiser Theophilos war ein erbitterter Gegner davon, Kassia bekundete dagegen öffentlich Unterstützung, wofür sie mit anderen Frauen ausgepeitscht wurde. Erst als Theophilos starb und seine Frau Theodora die Ikonenverehrung anerkannte, endete der Streit.

Kassia war nicht nur eine bedeutende Komponistin und Schriftstellerin, sie war auch eine Vorreiterin für Frauenrechte, weil sie es wagte den männlichen Herrschern selbstbewusst entgegenzutreten. Nicht nur in der Anekdote um die Brautschau, sondern auch als sie sich später immer wieder für Anliegen von Frauen einsetzte.

Heilig gesprochen wurde sie erst 1889, als der Patriarch von Alexandria ihre Verehrung anerkannte. ¶

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