Cookies und soziale Netzwerke erleichtern die Bereitstellung dieser Webseite. Mit der Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit dem Einsatz dieser Technologien einverstanden.
Weitere Informationen
Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart: Die Zauberflöte

Sawallisch, Bayerisches Staatsorchester, Rothenberger
Zurück
Die pure Wut kocht aus dieser Königin der Nacht: 1972 kommt Edda Moser ins Studio und singt die Höllenarie in nur einem Take durch. Selten hört man sie mit so viel Kraft und Wucht – und trotzdem einer feinen und glasklaren Höhe. Die Frau von Dirigent Sawallisch wollte Edda Moser nicht – darüber war sie erbost und nutzte diese Wut musikalisch. Und das offenbar so eindrucksvoll, dass diese Aufnahme seit 1977 an Bord der Voyager 2 durchs Weltall kreist – als Beispiel für die menschliche Kultur. Sicherlich keine zeitlose Aufnahme: so dramatisch würde man bspw. Tamino heute nicht mehr anlegen. Doch musikalisch setzt sie wenig auf Intellektualismus und besticht mit Frische und sängerisch-schauspielerischer Leichtigkeit.
t1 Konzertführer
Wolfgang Amadeus Mozart
Freimaurermusiken

Am 14. Dezember 1784 wurde Mozart „im 1. Gr[ade]“ eines Lehrlings mit der Mitgliedsnummer 20 in die Wiener Freimaurerloge „Zur Wohlthätigkeit“ aufgenommen, am 7. Januar 1785 „in den 2ten Grad [eines Gesellen] mit den gewöhnlichen Ceremonien befördert“; am 14. Januar 1786 erscheint sein Name erstmals in einer Logenliste mit dem Vermerk des dritten Grades, dem eines Meisters.

Aus dieser Chronologie ergibt sich, dass die Köchel-Datierung „1783“ der ersten Werke, in denen sich Mozarts Freimaurertum musikalisch niedergeschlagen hat, kaum stimmen kann; es sind das Adagio KV 410 für zwei Bassetthörner und Fagott und das Adagio KV 411 für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner, in deren Kontext auch die ähnlich besetzten Fragmente eines weiteren Adagios KV Anh. 93 und eines Allegro assai KV Anh. 95 gehören: Die Andeutung freimaurerischer Klopfzeichen im Rhythmus der knappen kontrapunktischen Stücke lässt darauf schließen, dass sie zur Eröffnung einer Logensitzung gespielt (und also sicher nicht vor Ende 1784 komponiert) wurden.

Die Kantate Dir, Seele des Weltalls, KV 429 dagegen, deren (anonymer) Text ebenfalls eindeutig freimaurerische Bezüge aufweist, ist wohl schon 1783 entstanden, und zwar vermutlich für einen auch Nichtmitgliedern zugänglichen Festakt; im Rahmen einer internen Logensitzung jedenfalls kann das in verschiedenen Fassungen überlieferte Werk nicht aufgeführt worden sein, da die große Besetzung dem entgegengestanden hätte.

Die meisten Werke Mozarts, die in direkter Verbindung zu seinem Freimaurertum stehen, sind zwischen März und Dezember 1785 komponiert worden: Das dreistrophige Lied Gesellenreise KV 468 (Die ihr einem neuen Grade...), nach einem Text Franz Joseph von Ratschkys, am 26. März 1785, möglicherweise anlässlich der Beförderung seines Vaters Leopold in den Gesellen-Grad (am 16.April 1785). Die Kantate Die Maurerfreunde KV 471 (Sehen, wie dem starren Forscherauge...), nach einem Text von Franz Petran, wurde am 24. April 1785 zu Ehren Ignaz von Borns uraufgeführt, des Großmeisters der Loge ‚Wahre Harmonie‘. Bei der freimaurerischen Totenfeier für Herzog Georg-August von Mecklenburg-Strelitz und für Graf Franz Esterhazy von Galantha kam am 17. November 1785 in der Loge ‚Zur gekrönten Hoffnung‘ die Maurerische Trauermusik KV 477 zur Aufführung – ein nur 69 Takte langes Adagio, das zu den erstaunlichsten Schöpfungen Mozarts gehört. Im Dezember desselben Jahres dann komponierte er zur Eröffnung und zum Schluss der Loge ‚Zur neugekrönten Hoffnung‘ zwei Lieder nach Texten von Augustin Veith Edler von Schittlersberg: Zerfließet heut', geliebte Brüder KV 483 und Ihr unsre neuen Leiten KV 484.

Dass Mozart als Freimaurerkomponist dann erst wieder 1791 in Erscheinung tritt, hat seinen guten Grund: Im Dezember 1785 erschien das Freimaurerpatent Kaiser Josephs II., das die „Gaukeleyen“ des Logenwesens unter Polizeiaufsicht stellte und die Auflösung zahlreicher Logen zur Folge hatte, die (nicht ohne Grund) gewalttätige Ausschreitungen und Pogrome fürchteten. Fortan lebte das Wiener Freimaurertum nur mehr am Rande der Legalität – fast ein Geheimbund. Mozart blieb allerdings den Freimaurern treu und scheint selbst – so deutet ein Brief Constanzes an den Verlag Breitkopf & Härtel) vom 21.Juli 1800 an – die Gründung eines geheimen Freimaurerordens geplant zu haben.

Im Juli 1791 entstand Eine kleine deutsche Kantate KV 619 (Die ihr des unermeßlichen Weltalls Schöpfer ehrt…) nach einem Text des Hamburger Kaufmanns Franz Heinrich Ziegenhagens, der Mozart um eine Musikbeilage für seine freimaurerische Schrift ‚Lehre vom richtigen Verhältnisse zu den Schöpfungswerken‘ gebeten hatte. Eine kleine Freimaurer-Kantate KV 623 (Laut verkünde unsre Freude...) – die Vertonung eines Textes von Emanuel Schikaneder – beschließt am 15. November 1791, knapp drei Wochen vor seinem Tod, Mozarts musikalische Arbeiten für die Freimaurer.

In das unmittelbare Umfeld des Freimaurertums gehören außerdem die Es-dur-Symphonie KV 543 und Die Zauberflöte KV 620. Weitere Werke Mozarts, die von den Freimaurern zur musikalischen Gestaltung ihrer Logensitzungen herangezogen wurden (und werden), ohne indes für diesen Zweck komponiert worden zu sein, sind die Psalm-Vertonung De profundis KV 93, das Lied 0 heiliges Band der Freundschaft treuer Brüder KV 148, das Graduale Sancta Maria, mater Dei KV 273 und die Motette Ave Verum KV 618; hinzukommen als Instrumentalwerke Adagio und Fuge c-moll KV 546 und Adagio und Rondo KV 617.

Im Frühjahr 1792 hielt der Theaterdichter Karl Friedrich Hensler in der Loge ‚Zur gekrönten Hoffnung im Orient‘ die Maurerrede auf Mozarts Tod: „Auf! traurt um ihn – nach ächter Maurersitte, / Den uns das Loos zum Bruder gab; / Zu früh sank er aus unsers Zirkels Mitte / Hinab, von uns ins düstre Grab.“
Michael Stegemann

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
300+ ausgewählte Videos
Konzertführer
5 Geschichten pro Monat
Keine Werbung
CD-Empfehlungen
300+ ausgewählte Videos
Konzertführer
5 Geschichten pro Monat
Keine Werbung
CD-Empfehlungen