William Walton

Walton & Shostakovich String Quartets

Albion Quartet
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Wir schreiben das Jahr 1946. Es herrscht trotz Erleichterung über das Kriegsende eine globale Anspannung, niemand will dem Frieden so recht trauen. In London und in Moskau entstehen zeitgleich zwei Streichquartette, die diese Stimmung einfangen und auf ihre eigene Art verarbeiten. Die Lebensrealitäten von William Walton und Dmitri Schostakowitsch waren fundamental verschieden, nicht zuletzt durch Stalins Inlandsterror, dem sich Schostakowitsch gut 15 Jahre seiner Schaffenszeit ausgesetzt sah. Dies schlägt sich in diesen beiden Werken nieder, wie das Albion Quartet auf seinem neuen Album meisterhaft charakterisiert. Am deutlichsten wird der Unterschied wohl im jeweiligen Finalsatz: während uns Walton mit einem turbulenten Rondo am Ende nur noch wild und überdreht ein A entgegenschleudert, verklingt Schostakowitschs Quartett mit zerbrechlichem Flageolett über einem trügerischen F-Dur-Akkord. Doch beide Werke stellen die gleiche Frage: ist der Krieg tatsächlich vorbei? Wie geht es weiter? Diese Aufnahme zeugt von einer unglaublichen musikalischen Reife des 2016 gegründeten Quartetts und scheint zurzeit relevanter denn je.