Ülo Krigul

Ülo Krigul: Liquid Turns

Putniņš, Tallinna Kammerorkester, Estnischer Philharmonischer Kammerchor
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Die Macht des Wassers faszinierte Komponist*innen aller Epochen nicht erst seit Debussys Klanggemälde La mer. Seien es naturalistische oder geistliche Deutungen, das Leben spendende Element übt eine unglaubliche Sogkraft aus. Der estnische Komponist Ülo Krigul ließ sich ebenfalls davon inspirieren und schrieb zwischen 2019 und 2020 drei symphonische Chorwerke, die nun als Konzeptalbum mit dem lettischen Dirigenten Kaspars Putniņš, dem Estnischen Philharmonischen Kammerchor und dem Tallina Kammerorkester ihre Ersteinspielung feiern. Voran steht das Werk Vesi ise ("Das Wasser selbst"), das mit kraftvoll an- und abschwellenden Dissonanzen sowie undefinierbarem elektronischen Geflüster für eine gute Viertelstunde in Beklemmung versetzt. Darauf folgt mit And the Sea Arose ein Bibelvers aus dem Johannesevangelium, der von Jesu Gang über den See Genezareth erzählt. Tosende Streicherwogen und gespenstisch pfeifende Glissandi lassen die schockierte Reaktion der Jünger auf dieses Wunder nachempfinden. Das sechssätzige a capella-Werk Aga vaata aina üles ("Aber schaue immer nach oben") stützt sich auf Texte des Philosophen Uku Masing, während das abschließende Liquid turns das vorangegangene musikalische Material wieder aufgreift und als eine Art nachgestellte Ouvertüre fungiert. Dieses Album nimmt mit wirkungsvoll gesetztem Chorgesang und innovativen Klangeffekten die Scheu vor dem Unbekannten und rückt hoffentlich die Kunst Kriguls ein wenig näher ins Rampenlicht der klassischen Avantgarde.