Ludwig van Beethoven

Beethoven : Overtures (Maestro)

Harnoncourt, Chamber Orchestra of Europe
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Eine innere Vibration und Anspannung schon in den ersten Tönen, das schafft, so unvergleichlich, nur der große Nikolaus Harnoncourt. Von den unbekannteren Gelegenheitswerken bis zu den vier Fidelio/Leonoren-Ouvertüren führt das Chamber Orchestra of Europe hier einen Beethoven mit voller Farbpalette auf, auch wenn die insgesamt doch alle edel gedeckt bleiben.

Weiterführende Links

Beethoven: Egmont-Ouvertüre f-Moll aus op. 84

Beethoven: Ouvertüre zu Coriolan op. 62

Beethoven: Ouvertüre zu Leonore Nr. 3 op. 72a

t1 Konzertführer
Ludwig van Beethoven
Egmont op. 84 (1809 /10)

Zu Goethes Trauerspiel Egmont schrieb Beethoven nicht nur eine Ouvertüre, sondern auch noch eine aus neun Nummern bestehende Theatermusik. Er komponierte die Musik zwar offiziell im Auftrag des Direktors der kaiserlichen Theater in Wien, nach seiner eigenen Aussage aber leitete ihn seine „Liebe zum Dichter“, weshalb er auch demonstrativ auf ein Honorar verzichtete. Goethes Trauerspiel hat den Freiheitskampf der Niederlande gegen die Herrschaft Spaniens zum Gegenstand. Der Held des Stücks, Egmont, fällt zwar, aber die Idee der Freiheit siegt. Dass dieses Sujet nach dem Geschmack Beethovens war, leuchtet ein, und die Ouvertüre scheint denn auch den Weg des Dramas nachzuzeichnen. Pianissimo-Bläserklänge am Ende der Reprise und vor allem die dem vorangestellte Generalpause bezeichnen nach Beethovens eigener Aussage Egmonts Tod. Das daran anschließende Allegro con brio ist die „Siegessymphonie“, die nach Goethes Text am Schluss des Trauerspiels zum Zeichen des Sieges der Idee erklingen soll. Sie kehrt in der Theatermusik als deren letzte Nummer getreu wieder. Im Übrigen aber zeichnet die Ouvertüre wie jene zu Coriolan mehr das Bild gegensätzlicher Charaktere und der aus ihrem Gegeneinander folgenden Spannungen, als dass sie den Gang der Handlung beschriebe. Charakteristisch ist der oft auf engstem Raum ausgetragene Gegensatz zwischen weich-kantablen Bläsermotiven und einem martialischen Streicherrhythmus, der die Einleitung und den Seitensatz prägt. Er steht der Sarabande nahe, deren spanische Herkunft Beethoven zur Wahl dieser ebenso streng-unbeugsam wie starr anmutenden Motivik veranlasst haben könnte.

Im Unterschied zur übrigen Theatermusik Beethovens kommt der Musik zu Egmont besondere Bedeutung zu. Sie sprengt, was ihre Anforderungen an Ausführende wie Hörer betrifft, den Rahmen gewöhnlicher Theatermusik, was schon sehr bald dazu führte, dass man sie nicht ihrem Zweck entsprechend zusammen mit dem Theaterstück spielte, sondern separat im Konzertsaal. Goethes Egmont ging weiterhin mit der Musik von Johann Friedrich Reichardt über die Bühnen, während Beethovens Musik – durch verbindende Texte von Friedrich Mosengeil in einen kontinuierlichen Zusammenhang gebracht – ein Eigenleben zu führen begann, das erst im 20. Jahrhundert zu Ende gegangen ist.

Egon Voss

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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