Clara Schumann

Love? Homage to Clara Schumann

Tal, Groethuysen, Prégardien
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Zum anstehenden 200. Geburtstag von Clara Schumann erscheint eine Reihe von Konzeptalben, die das Schaffen der Komponistin feiern. Auch wenn sie in ihrer Zeit als Klaviervirtuosin gefeiert war, ist sie in der Geschichte am ehesten als Robert Schumanns Ehefrau bekannt. Yaara Tal hat nun Werke von engen Freunden der Schumanns versammelt, die das große Thema Liebe behandeln. So ein halsbrecherisches Klavierstück der Robert-Schumann-Verehrerin Julie von Webenau, drei Romanzen von Clara für Robert und natürlich Stücke von Johannes Brahms, der wie kein anderer in die Familiengeschichte der Schumanns verwoben war. Seine Alt-Rhapsodie schrieb er angeblich unter dem Eindruck der verschmähten Liebe von Julie Schumann, der dritten Tochter. Yaara Tal lässt Brahms selbst singen und verdreht die Geschlechter: Eine Bearbeitung für Tenor (kongenial vorgetragen von Julian Prégardien) und Frauenchor mit Klavierbegleitung, die dieser Anekdote Tiefe verleiht. Der langjährige Klavierduo-Partner Andreas Groethuysen spielt Brahms' Schumann-Variationen, eine Homage an die Liebe.

t1 Konzertführer
Johannes Brahms
Altrhapsodie

Brahms‘ Rhapsodie für eine Altstimme, Männerchor und Orchester op. 53 aus dem Jahre 1869 ist ein sehr persönlich gefärbtes Werk des Komponisten, in seinem aufbegehrend anklagenden Ton deutlich verschieden von seinem übrigen Schaffen. Im Sommer 1868 war Brahms auf eine Liedersammlung von Johann Friedrich Reichardt aufmerksam geworden, in der er ein mit ‚Rhapsodie‘ überschriebenes Lied aus Goethes Harzreise fand. Die lange Klage auf den vom Schicksal benachteiligten Menschen entsprach in gewissem Sinn auch der Gemütslage von Brahms. Zur Vertonung wählte er die Strophen fünf bis sieben, isolierte sie jedoch voneinander, um so zu einer musikalischen Form zu gelangen, die drei verschiedene Gefühlsebenen vorführt. Die Altrhapsodie beginnt in schroffen Dissonanzen, die Tonart c-moll ist kaum erkennbar, rückt schon im zweiten Takt nach es-moll und verbleibt auch weiterhin im Vagen und Ungesicherten. Atmosphärisch wird so der Einsatz der Singstimme vorbereitet, die mit einer (bei Goethe freilich im Gedicht integrierten) Frage die Ungewissheit des Einsamen und Verlassenen in den Raum stellt: „Aber abseits wer ist‘s?“ In der Folge gewinnt der rezitativische Gesangsduktus emphatischere Züge und gipfelt schließlich in einer kleinen None auf dem Schlüsselwort „Öde“.

Der zweite Teil des Werkes in c-moll ist der emotionale Höhepunkt der Rhapsodie: eine von extremen Melodieverläufen geprägte Gesangsszene voll von bitterer Anklage, der einsame Mensch wird zum Verächter der Welt.
Im dritten Teil wandelt sich der Ton völlig. Ein vierstimmiger Männerchor tritt als zusätzliche Klangfarbe hinzu, die Harmonik lichtet sich nach C-dur auf. Stärker als dies bei Goethe der Fall ist, verwirklicht sich in der Musik der Altrhapsodie der Trost in der Hinwendung zum Schöpfer. Kantilene und Choral suchen das aufgewühlte Innere zu besänftigen und ihm neue Kraft zu geben. Der Brahmssche Ausklang besticht durch seine schlichte Eindringlichkeit, die im Kontrast zum aufgewühlten Mittelteil besonders intensiv erscheint. Brahms wollte zunächst keine Aufführung dieser „etwas intimen Musik“ zulassen; es kam zunächst zu einer privaten Aufführung in Karlsruhe 1869, ein Jahr später zur offiziellen Uraufführung in Jena.
Reinhard Schulz

© Csampai / Holland: Der Konzertführer. Rowohlt Verlag.
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